„All you wanna hear is the greatest song of all time / but it has not been written yet /so we are playing this one“ („Turn Up“).
Es ist schon wieder über zwei Jahre her, dass die 8 immer noch jungen Herren (Anfang bis Mitte 20) von Guadalajara 2005 ihr letztes Album „Trampled Pathways“ veröffentlichten. Die Spielfreude, der musikalische Einfallsreichtum und das Songwriting sprühten schon damals energetisch aus der Kiste „Ska-Punk“ heraus. In der fühlen sich Guadalajara mittlerweile aber höchstens wurzeltechnisch noch beheimatet. It´s only musikalische Sozialisation.
Musikalische Sozialisation? Ein möglicher roter Faden, der sich durch die 12 Songs von „Weapons of Mass Seduction“ zieht. Unverkennbar haben Guadalajara diese in ihre Songs einfließen lassen. Sounds, Stilelemente und Wesensmerkmale jener Musik aus den 90ern, die ihre Generation bewusst oder unbewusst geprägt hat. Dabei ist dieses kreative reflektieren der eigenen Wurzeln aber nur ein Element des Prozesses, der zur erstaunlich ausdifferenzierten musikalischen Vision des Albums geführt hat.
Guadalajara leisten sich den Luxus, sich einen eigenen Reim auf die Welt zu machen. Mit einer Musik, die sie unverkrampft ernst nehmen und fast puzzleartig ausarbeiten, wobei sie heute bei einem wendigen, leichtfüßigen aber sehr ausgetüftelten Rock angekommen sind.
Der ist voller Popappeal, ungebrochener Punkenergie und dabei mit oft überraschenden, prägnanten Bläsersätzen und –arrangements als Charaktermerkmal. Herausgekommen sind liebevoll detailgespickte Lieder, die auch nach dem –zigten Hören noch überraschen.
Kinderchöre, Drumloops, technoide Intros und Synthiesizer reiben sich mit Karibikklängen und Bläserrocksounds und verschmelzen trotzdem zu einer faszinierenden Einheit.
Die beiden Songwriter Bernhard Kaufmann und Volker Schaffler lassen zu Gitarrenakkorden autobiographisch die Blicke und Zeilen schweifen, mit einer nachdenklichen Grund-Melancholie und einem überraschend tiefen Blick hinter die Oberflächlichkeiten des Alltags. Das Leben ist eben nicht immer nur Party. Aber auch kein reines Jammertal, selbst wenn einem angeknackste Herzen das mitunter suggerieren („though stupid lullabies stuck in pieces of my broken heart“). Immer wieder lassen sie die Sehnsucht nach etwas Größerem durchschimmern: „You always used to say you wanted more“. Posaunist Markus Wonisch ist der Mann mit dem Händchen für die Arrangements, der dabei diesmal – und zukünftig in der Liveumsetzung – die (elektrischen) Tasten und andere Sound-Devices entdeckt hat, um den Guadalajara-Klangfarbenkatalog noch fetter zu machen.
Produziert wurde „Weapons of Mass Seduction“ von Drummer Thomas Konrad, der gute 8 Monate an „Weapons Of Mass Destruction“ arbeitete. Besondere Sorgfalt wurde auf die Gesangsarrangements verwendet. Aus den USA wurde extra Vocalproduzent Darian Rundall eingeflogen, der bereits mit Pennywise und Yellowcard arbeitete. Gemastert wurde in den Düsseldorfer Skyline Studios, wo auch die Beatsteaks, Madsen und die Donots ihren Silberling schon verfeinern ließen
Ein paar handverlesene Gastauftritte verleihen dem Album zusätzliche Würze:
Jaya The Cat-Sänger Geoffrey Lagadec gibt in „Goodbye“ gekonnt das schlechte Gewissen. Mr. FM4-Morning Show Stuart Freeman führt uns in die leidige und nur zu vertraute Geschichte von „Case Of Sympathy“ – viele alte „Freunde“ werden anders als Wein mit dem Alter nicht besser. Martin „Matl“ Kaiser von Jonas Goldbaum lässt seiner Gitarre freien Sololauf und gesellt sich kongenial zu den durchgehend souveränen Performances der Saitenfraktion von Guadalajara.
Im Februar bringen Guadalajara ihre „Weapons Of Mass Seduction“ endlich auf die Musik-Welt und verhelfen ihnen mit ausgedehntem Touren (Lettland, Polen, Frankreich, Belgien, Deutschland, Österreich, Schweiz …) zu erhöhten Verführungs-Chancen. Eine Band, die auf der Bühne ein Ereignis ist, mit einem neuen Album im Gepäck, das ein eindrucksvolles, rundes und vielschichtiges musikalisches Statement ist – da kann nichts, aber auch schon gar nichts schief gehen!
„Cause sex and pistols may not stop them.“